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Warum pflanzlich (vegan)?

Wenn es euch wie mir geht, habt ihr euch diese Frage auch schon gestellt. Es ist oft die erste Frage, die folgt, wenn wir sagen, dass wir uns pflanzlich ernähren. Ebenfalls ist es auch oft die Folgefrage, die unausgesprochen bleibt, weil viele sie gleich selbst beantworten. Wenn man nachfragt, fällt auf, dass jeder eine persönliche und individuelle Antwort auf diese Frage hat.

Im Sommer 2014 habe ich Lisa gefragt, ob wir uns ab jetzt pflanzlich ernähren wollen. Zuerst war sie etwas skeptisch. Danach stimmte sie jedoch überzeugt zu mit folgendem Satz: “Wenn der grösste Fleischliebhaber, den ich kenne, das möchte, dann bin ich dabei!”. Damit hat unser Weg mit der pflanzlichen Ernährung begonnen.

In diesem Artikel beschreibe ich unseren persönlichen Weg zur pflanzlichen Ernährung, was uns dazu bewegt hat, wo der Unterschied zur veganen Ernährung liegt, Fakten zur Produktion tierischer Lebensmittel, Mythen zur veganen Ernährung sowie Fragen, um sich weiter mit diesem Thema zu befassen.

Pflanzlich = Vegan?

Eine pflanzliche Ernährung heisst für uns, dass wir auf tierische Nahrungsmittel verzichten. Dies beinhaltet Fleisch, Fisch, Milch, Eier & Co.

Pflanzlich ist doch vegan? – Im Grunde genommen schon. Jedoch gibt es zwei Hauptaspekte, weshalb die Bezeichnung “vegan” bis jetzt nicht auf unsere Ernährung und unserem Lifestyle zutrifft.

Vegan ist mehr als eine Ernährungsart. Vegan ist ein Lifestyle, bei dem meist mitspielt, dass man ebenfalls auf Leder, Seide, Wollpullover und Kosmetikartikel, bei denen tierische Produkte und Tier-Tests zum Spiel kommen, verzichtet. Wir haben uns bisher nicht sehr mit den Themen ausserhalb der Ernährung beschäftigt und wissen nicht viel darüber. Ausserdem gehört Honig (was nicht vegan ist) für uns zur pflanzlichen Ernährung und beim Wein konsumieren wir teilweise nicht vegane Weine, bei deren Herstellung Gelatine (Schönungsverfahren) zum Einsatz kommt.

Es gibt noch einen zweiten Grund, weshalb wir uns ungern vegan nennen. Wir möchten uns vom Vegan-Kult abgrenzen, bei dem vieles absolut ist und das Dogma vom “besser und gescheiter als andere, da vegan” weit verbreitet ist.

Aus den oben genannten Gründen bezeichnen wir uns selbst und unsere Ernährungsart nicht als vegan. Jedoch sind alle unsere Rezepte, die kein Honig enthalten, vegan. Zudem ist der Begriff vegan gebräuchlicher und daher verständlicher. Deshalb verwenden wir in diesem Artikel und auch anderorts auf unserem Blog beide Begriffe.

Was uns bewegt hat, uns pflanzlich zu ernähren

Wie gesagt habe ich Lisa im Sommer 2014 gefragt, ob wir uns ab jetzt pflanzlich ernähren wollen. Als sie bald ebenfalls voll und ganz von dieser Idee überzeugt war, hat unser Weg mit der pflanzlichen Ernährung begonnen.

Wir haben und beide schon früher vertieft mit unserer Ernährung befasst. Die fragwürdige industrielle Nahrungsmittelproduktion und der Einsatz von Giftstoffen und Medikamenten in unserer Nahrung haben uns dazu veranlasst nur noch Produkte aus Bio-Produktion für unseren Haushalt einzukaufen und von stark verarbeiteten Nahrungsmittel Abstand zu nehmen. Ausserdem hatten wir unseren Konsum von tierischen Produkten darauf beschränkt, zu Hause bis zu maximal einmal in der Woche Fisch und einmal in der Woche Fleisch zu essen, um in 5 von 7 Wochentagen vegetarisch zu leben.

Die Frage “Was spricht für eine pflanzliche Ernährung und was dagegen?” blieb jedoch weiterhin grösstenteils unbeantwortet. Die Folge war, dass ich in meinen Sommerferien meine Zeit damit verbracht habe, verschiedenste Bücher und Texte zu Ernährung zu lesen. Dies habe ich mit Internetrecherchen verbunden, was mir neue Einsichten zur Eier- und Milchindustrie gab. Bald musste ich jedoch feststellen, dass die Antwort auf diese Frage nicht in Büchern oder im Internet zu finden war.

Jeder der Autoren hatte seine eigenen individuellen Werte und persönlichen Erfahrungen zur Beantwortung dieser Frage genutzt, was mir das Finden einer objektiven Antwort unmöglich machte. Ich musste meinen Blick nach innen wenden, um mir eine eigene Meinung zu bilden. Zahlreiche Gespräche zwischen mir und Lisa haben für uns beide immer mehr Klarheit zu diesem Thema geschaffen.

Persönliche Gründe, die den Anstoss lieferten

Ein grosser Punkt war für mich sicherlich, dass in der industriellen Nahrungsmittelproduktion die Erde und die Tiere nicht mit dem nötigen Respekt behandelt und geehrt werden. Zum Beispiel, wie in den Fakten erklärt, landen eine grosse Anzahl Zuchttiere nie auf unseren Tellern, sondern werden als “nutzlos” abgestempelt und vergast oder in Folge der Überproduktion in den Müll geworfen. Diesen fehlenden Respekt findet man nicht nur in der Fleischproduktion, sondern auch bei der Herstellung von Eiern und Milchprodukten. Dies unterstütze ich nicht. Grosse Vorbilder sind für mich die Indianer und andere Naturvölker, welche Zeremonien und Rituale für die Tiere veranstalten, deren Leben sie in sich aufnehmen.

Ausserdem reizte mich, dass die Beschränkung auf ausschliesslich pflanzliche Lebensmittel mir eine neue Welt des natürlichen Genusses offenbaren würde, bei dem sich eine grosse Vielfalt und Varietät von Gerichten durch den Verzehr verschiedenster mir vorher unbekannter Lebensmittel und Kombinationen zeigen würde. Dazu sollen auch unsere Rezepte als Inspiration dienen. 🙂

Wie sich die Überzeugung mit der Zeit entwickelte

Mit der Zeit und Erfahrung hat sich die Überzeugung, mich weiterhin pflanzlich zu ernähren, entwickelt und es sind für diesen Weg, den ich heute gemeinsam mit Lisa gehe, weitere Gründe dazu gekommen.

Ausschliessich pflanzlich einzukaufen und zu konsumieren ist mehr als eine private Entscheidung. Es ist ein politisches und wirtschaftliches Statement. Mit jedem Franken, den wir für biologische und pflanzliche Nahrungsmittel ausgeben, unterstützen wir deren Produktion. Mit unserem Beitrag steigt die Nachfrage, was dazu führt, dass auch das Angebot im Supermarkt und von Konzernen je länger, je mehr steigt.

Auch in Restaurants und Imbissbuden regt das Nachfragen nach einem veganem und/oder biologischen Menü zum Nachdenken an. Wir machen darauf aufmerksam, dass ein gutes Essen auch mal ohne tierische Produkte möglich ist oder möglich sein sollte.

Mit meinem Konsumverhalten möchte ich ein Gegengewicht leisten zum übermässigen Konsum tierischer Lebensmittel in unserer heutigen Gesellschaft.

Jetzt, nach schon bald einem Jahr, klappt die pflanzliche Ernährung für uns beide gut. Mich pflanzlich zu ernähren, einfach weil es auch wirklich gut geht, ist für mich mittlerweile Grund genug.

Weshalb so absolut?

Wir sind beide der Überzeugung, dass die pflanzliche Ernährung in unserer heutigen Gesellschaft der richtige Weg für uns ist, um “Real Life” zu leben.

Es gibt jedoch wirklich auch Produzenten tierischer Lebensmittel, welche unsere Philosophie zur Ernährung teilen. Zum Beispiel das Angus Rindfleisch aus biodynamischer Produktion in Niederried, die Forelle aus dem Neuenburgersee oder der Fisch im Restaurant eines portugiesischen Dorfes, welches den Fisch vom Fischer an der Meeresküste am gleichen Morgen abgekauft hat. Wir haben uns aber dazu entschieden auch darauf zu verzichten.

Die absolute Herangehensweise hilft uns dabei, unsere Überzeugung konsequent zu leben. Würden wir in gewissen Situationen Fleisch oder Fisch essen und in anderen nicht, würde das zur ständigen Rechtfertigung führen. Dies bräuchte viel Energie. Zudem würde es unsere Lebensqualität beeinträchtigen, wenn wir bei jedem Gericht neu entscheiden müssten, ob wir dies nun essen wollen oder nicht.

Hingegen können wir uns vorstellen, wieder tierische Lebensmittel zu konsumieren, wenn nur noch für uns ethisch vertretbare, gehaltvolle und mit Respekt behandelte Lebensmittel hinter der Frischwarentheke im Supermarkt zu finden wären. Auch wenn wir aus gesundheitlichen Gründen dazu gezwungen wären, tierische Lebensmittel zu konsumieren, würden wir es uns überlegen (von Produzenten die unsere Philosophie teilen).

Fakten zur Produktion tierischer Lebensmittel

  • In der Schweiz werden in der Eierindustrie über 2.5 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet: Männliche Nachfahren von Lege-Hennen können selbst keine Eier legen und geben im Vergleich zu Masthühnern nur wenig Fleisch, weshalb sie am ersten Tag nach dem Schlüpfen vergast werden (Hirt, 2004). Dies ist auch bei der Bioproduktion der Fall. Der Kassensturz zeigte im Jahr 2011, wie die männlichen Küken in der Schweiz getötet werden:
  • 51% der globalen Treibhausgase sind auf die Nutztierhaltung zurückzuführen: 2009 berichtete Robert Goodland im Magazin des Worldwatch Instituts, dass mindestens 32’564 Tonnen CO²e im Jahr oder 51% der weltweiten Treibhausgase auf die Nutzierhaltung zurückzuführen sind (World Watch, 2009). Dies ist vor allem auf Abholzung zur Landnutzung, die Futtermittelproduktion sowie den globalen Transport zurückzuführen.
  • Das Antibiotika im Futtermittel der Nutztiere bildet Resistenzen im Menschen: 3 von 4 Hühnererzeugnisse in der Schweiz sind mit antibiotikaresistenten Bakterien kontaminiert (Geser, Stephan, Hächler, 2012). Wenn diese häufig konsumiert werden, hat dies zur Folge, dass die meisten Antibiotika schon bei einer enfachen Harnwegsinfektion versagen (Widmer, 2014). SRF hat in diesem Artikel und in diesem Video vom Kassensturz näher dazu berichtet.
  • Kälber von Milchkühen werden 2 bis 3 Tage nach der Geburt von der Mutter getrennt: Milchkühe werden ab ihrem zweiten Lebensjahr regelmässig geschwängert, damit sie laufend Kälber gebären. So wird die Milchproduktion entgegen dem natürlichen Zyklus künstlich angeregt. Um die Milchmenge möglichst hoch zu halten, werden die Kälber 2 bis 3 Tage nach der Geburt von der Mutter getrennt. Die ist ebenfalls in Bio-Produktionen Standard.
  • Für Futtermittel werden jährlich enorme Flächen bewaldeter Gebiete abgeholzt: Insbesondere in Südamerika werden wertvolle Lebensräume zerstört, um darauf Soja anzubauen. In Argentinien beispielsweise hat die Sojaanbaufläche seit 2000 um 190% zugenommen(WWF, 2012). 80% des weltweit produzierten Sojas wird als Futtermittel verwendet (Faszination Regenwald zitiert nach Veja).

Eine umfassendere Auflistung von Fakten ist zum Beispiel auf der Webseite von Sentience zu finden.

Mythen zur veganen Ernährung

  • Vegan = Protein und Nährstoffmangel: Sich vegan zu ernähren heisst nicht, dass man unter dem Mangel verschiedenster Nährstoffe leidet. Man sollte sich jedoch bei einer vollständigen Umstellung trotzdem dazu Informieren. Pflanzliche Proteine lassen sich gut kombinieren und sind in Hülsenfrüchten, Nüssen und auch in Getreide und Gemüse zu finden. Sogar vegane Bodybuilder, Athleten und Strongmen scheinen damit keine Probleme zu haben.

    Wie der Körper gewisse Nährstoffe aufnimmt oder nicht, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und es muss jede Person seine eigenen Erfahrungen damit machen.
    Viele Veganer nehmen das für den Menschen wichtige Vitamin B12 zusätzlich in Form von Tabletten, Pulvern oder direkt durch den gezielten Konsum bestimmter Lebensmittel zu sich. Dazu gibt es synthetische und nicht synthetische pflanzliche Zusatzmittel.
    Von einem Mailaustausch mit vegan.ch wissen wir, dass einige tierische Produkte B12 nur durch künstlich mit Vitamin B12 angereicherte Futtermittel enthalten (z.B. Eier, Poulet, Schweinefleisch). B12-Mangel ist zudem kein rein veganes Problem, sondern tritt auch bei Fleischessern und Vegetariern auf. Ich selbst putze mit einer mit B12 angereicherten Zahnpasta meine Zähne und Lisa nimmt ein rein natürliches Präparat ein, das ihr in einer Apotheke empfohlen wurde. Wir wissen nicht genau, ob dies für uns nötig ist, treffen jedoch prophylaktisch diese Massnahmen, weil es uns von allen Seiten geraten wird. Ich selbst lasse zusätzlich mein Blut regelmässig in einem Labor testen.
  • Vegan ist die gesündeste Ernährungsart: Wie oben beschrieben ist die Ernährung eine sehr individuelle Sache und es lässt sich kein Ernährungskonzept auf alle Menschen als das Gesündeste übertragen (Fitzgerald, 2014). Dies soll aber nicht heissen, dass die vegane Ernährung nicht die gesündeste Ernährungsart für dich sein kann, sondern mehr, dass du dies für deinen eigenen Körper rausfinden musst. Viele Krankheiten und Beschwerden lassen sich in den meisten Medizinsystemen (auch in der Schulmedizin) mit einer gesunden Ernährung heilen oder präventiv vorbeugen. Nicht zu vergessen sind die Veränderungen, welche uns nicht nur von Krankheiten befreien, sondern uns auch mehr Energie und Lebensfreude verschaffen.
    Ich persönlich konnte bei mir keine Veränderungen nach der Umstellung auf die pflanzliche Ernährung feststellen. Dafür hat bei Lisa die Umstellung auf die pflanzliche Ernährung zu einer reineren Gesichtshaut und glänzenderen Haaren geführt. Was uns betrifft, sind wir überzeugt, dass pflanzlich gepaart mit biologisch einen Vorteil für unsere Gesundheit darstellt.
  • Vegan schmeckt eintönig: Sich vegan zu ernähren muss nicht heissen, dass man von Tofu, Sojawürsten und veganen Schnitzel abhängig ist oder sich nur noch sehr eintönig ernährt. Wäre das der Fall, würde ich mich nicht pflanzlich ernähren ^^. Mit unserem Blog möchten wir diesem Mythos entgegensteuern und als Alternative genussvolle und gleichzeitig gesunde Rezepte auf pflanzlicher Basis mit euch teilen.
  • Veganer sind bessere Menschen: Wie schon oben erwähnt, finden wir das nicht.

Fragen zur weiteren Befassung mit dem Thema

Folgend einige Fragen, die wir uns im Bezug zu diesem Thema selbst immer wieder stellen und die vielleicht auch dich zum Nachdenken anregen können.

  • Würdest du selbst schlachten, was du heute isst?
  • Stehst du hinter der industriellen Nahrungsmittelproduktion?
  • Tut deine heutige Ernährung dir und deinem Körper gut?
  • Stehst du an einem Wendepunkt, möchtest dein Leben verändern und aus der Komfortzone ausbrechen?
    Eine Ernährungsumstellung kann eine bewusstseinserweiternde Erfahrung sein und eine etwas andere Seite vom Leben und ein neues Körpergefühl zeigen.
  • Bist du offen für Neues?
    Ein Anfang, um auf den Geschmack zu kommen, kann sein, in einem Bio-Restaurant das vegane Menü zu wählen, das nächste Mal bei der Dönerbude den Falafel statt den Kebab zu wählen oder eines unserer Rezepte auszuprobieren.

Was ist deine Sichtweise?

Auf unserer About-Seite haben wir geschrieben, dass “Real Life” für uns unterer anderem ein Leben in Harmonie mit unserer Umwelt bedeutet. Jetzt weisst du, wieso die pflanzliche Ernährung für uns ein Teil davon ist.

Ich hoffe dieser Artikel hilft dir dabei, die Frage “Wieso pflanzlich (vegan)?” für dich selbst zu beantworten. Vielleicht ünterstützen dich unser persönlicher Weg und die hier beschriebenen Informationen dabei, eigene Entscheidungen zu treffen.

Was sind deine Gedanken dazu?
Wie würdest du diese Frage für dich beantworten bzw. wie hast du diese Frage für dich beantwortet?
Mit welchen Fragen können wir uns beschäftigen, um uns noch vertiefter mit dem Thema zu befassen?
Gibt es ein Thema, zu welchem du gerne mehr in einem weiteren Artikel von uns lesen würdest?

Grüsse
Prosper

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  • 4 Kommentare

  • Antworten Prosper Filipe 9. Mai, 2015 at 22:00

    Was sind deine Gedanken dazu?
    Wie würdest du diese Frage für dich beantworten bzw. wie hast du diese Frage für dich beantwortet?
    Mit welchen Fragen können wir uns beschäftigen, um uns noch vertiefter mit dem Thema zu befassen?
    Gibt es ein Thema, zu welchem du gerne mehr in einem weiteren Artikel von uns lesen würdest?

  • Antworten Dominik (Vegane Augenblicke und Gedanken) 16. Mai, 2015 at 10:33

    Wow, einer der besten Artikel den ich seit langem darüber gelesen habe, danke für deinen Kommentar auf meinem Blog.

  • Antworten Warum pflanzlich (vegan)? - Journey to Real Life 26. April, 2016 at 21:20

    […] die Erde und die Tiere nicht mit dem nötigen Respekt behandelt und geehrt werden. Zum Beispiel, wie in den Fakten erklärt, landen eine grosse Anzahl Zuchttiere nie auf unseren Tellern, sondern werden als […]

  • Antworten Dr. Henri Edelbauer 1. Juni, 2016 at 14:17

    Henri Edelbauer

    Habe mir die Frage auch gestellt (bin Journalist,und Naturwissenschaftler) und mich dazu entschlossen, tierische “Produkte” (ich sage lieber “Geschenke”) wie Fleisch, Käse, Eier nur von Landwirten zu beziehen, mit denen ich befreundet bin. Wo ich den Namen des Tieres kenne, die Lebensbedingungen- und – dauer. Warum bin ich nicht zum Veganismus übergetreten? Immanuel Kant faßt die ethischen Lebensformen so zusammen: “Handle stets so, daß die Leitlinie deines Tuns zum allgemeinen Gesetz erhoben werden könnte.” Würde aber vegane Lebensweise weltweit durchgesetzt, so hätte das das Aussterben unzähliger Haustierformen zur Folge. Mit dem Hausrind wäre sogar eine ganze Species (Bos Primigenius Taurus), die immerhin seit 2 Mio. Jahren existiert, vom Planeten gelöscht. Gegen die weltweite Abschaffung der Haustierhaltung sprechen auch fundamentale ökologische Gründe. Und schließlich verfügen auch Pflanzen – vorsichtig gesagt – über emotionsanaloge Verhaltensweisen. (Das “Verhalten” vieler Pflanzen äußert sich als Wachstum.) Das ist natürlich keine Argument für brutale Tiergefängnisse, sondern für mitfühlenden Umgang mit Pflanzen. Ich glaube nicht, daß Tierleid völlig aus der Welt geschafft werden kann oder sollte. Die anmutige Gestalt der Gazelle entspringt dem Tod hunderter Generationen durch Raubtiere; die kraftvolle Erscheinung des Löwen resultiert aus dem Verhungern unzähliger Raubkatzen, die nicht schnell genug waren. (Während einer Reportage in Tansania wurde ich Zeuge, wie eine Hyäne von Artgenossen qualvoll zerfleischt wurde. Ich wollte instinktiv mit einer Eisenstange dazwischengehen, aber meine Kollegen hinderten mich: “So ist die Natur halt, misch dich nicht ein!” Da kann ich eher zuschauen, wenn “meine” Bauern ein Schwein mit einem Kopfschuß töten, um ihm den Weg zum Schlachthof zu ersparen. Die Tiere werden so weitab von den anderen Schweinen getötet und zeigen vorher kein Anzeichen von Angst.)

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